|
|
29. Biennale São Paulo |
|
|
29. Biennale São Paulo, 2010 |
Die 29. Biennale São Paulo wir von den brasilianischen Chefkuratoren Moacir dos Anjos (>> Biografie) und Agnaldo Farias (>> Biografie) geleitet. Ihnen zur Seite stehen fünf Kuratoren verschiedener Herkunft: Fernando Alvim, Rina Carvajal, Yuko Hasegawa, Sarat Maharaj, Chus Martinez (>> Kurzbiographien). Der Titel "Es gibt immer ein Glas voll Meer zum Segeln" ist eine Zeile aus dem Werk Invenção de Orfeu (1952) des brasilianischen Dichters Jorge de Lima (1895 - 1953). Aus einem Interview von Universes in Universe mit Moacir dos Anjos und Agnaldo Farias im Januar 2010, anschließender Emailkorrespondenz und Pressemeldungen des Veranstalters fassen wir einige der wichtigsten Aspekte zusammen: Keine nationalen Präsentationen mehr Die bis 2004 üblichen nationalen Präsentationen wird es in São Paulo definitiv nicht mehr geben. Zwar hatte bereits die Biennale 2006 unter Leitung von Lisette Lagnado damit aufgehört, doch ist die endgültige Aufgabe dieses Konzepts erst in Vorbereitung der diesjährigen Edition besiegelt worden. Teamarbeit der Kuratoren Ausgehend von den Grundideen der beiden künstlerischen Leiter arbeiten diese zusammen mit den 5 Kuratoren an einem gemeinsamen Konzept, in das die Perspektiven der aus verschiedenen Teilen der Welt stammenden Teammitglieder einfließen. Es wird keine abgegrenzten Zuständigkeiten für bestimmte Ausstellungsbereiche oder separate Künstlerlisten geben. Intensivere Kontakte nach Lateinamerika Moacir dos Anjos und Agnaldo Farias sagten, engere Kontakte nach Lateinamerika und auch Afrika seien ihnen sehr wichtig. Es sei ein Fehler, dass man in Brasilien so lange nur nach nach Europa und Nordamerika blickte und nunmehr höchste Zeit, in einen intensiveren Dialog mit Argentinien, Chile, Peru, Venezuela, Mexiko und anderen Ländern Lateinamerikas zu treten. Die Biennale von São Paulo sei immer ein Kunstzentrum Südamerikas gewesen, das viele Besucher aus den Nachbarländern hatte, nun solle aber noch mehr von deren Kunstproduktion präsentiert werden. In die Biennale werden keine historischen Säle mehr einbezogen, mit denen dereinst begonnen wurde, weil ansonsten kaum monografische oder Überblicksausstellungen in die Museen Brasiliens kamen. Dennoch soll es "einige Schlüsselwerke von brasilianischen, argentinischen, chilenischen, kolumbianischen, uruguayischen oder venezolanischen Künstlern geben, versammelt in der Absicht, Beziehungen zu unseren Nachbarn aufzuzeigen und zusammenzufassen, wie sich politische Themen quer durch Lateinamerika ziehen". Bekannte Künstler anders sehen Dos Anjos und Farias stellen sich einer doppelten Herausforderung und Verantwortung: Sie wollen eine Biennale realisieren, die nicht nur für das brasilianische Publikum von Bedeutung, sondern auch für Besucher aus anderen Ländern interessant und wichtig für die Biennalediskussion an sich ist. Selbst wenn unter den eingeladenen Teilnehmern in Europa und den USA bestens bekannte Künstler sind, ist es dennoch sinnvoll, sie nach São Paulo zu holen. Einerseits kann den Brasilianern so vermittelt werden, was anderswo geschieht, und zugleich werden solche Künstler aus einer Perspektive Brasiliens präsentiert, eines Landes, das eine zunehmend wichtige Rolle in der internationalen Szene spielt, und das nicht nur auf kulturellem Gebiet, sondern auch in der Politik und Wirtschaft. Indem in der Biennale Bezüge zwischen Werken solcher gut bekannten Künstler und denen aus Südamerika, Afrika oder Asien hergestellt werden, kann das dazu führen, diese anders zu sehen. Immer ein Glas voll Meer zum Navigieren Das Konzept der diesjährigen Biennale geht von dem Gedanken aus, dass es unmöglich sei, Kunst von Politik zu trennen. Kunst sei per se in der Lage, die sensorischen Koordinaten, mit denen die Menschen der Welt begegnen und diese bewohnen, zu blockieren, indem sie neue Auffassungen und Haltungen ins Spiel bringt und Erfahrungsräume dadurch verändert und erweitert. Der Titel "Es gibt immer ein Glas voll Meer zum Segeln" versinnbildliche die Intentionen der Kuratoren, weil er die in der Kunst selbst enthaltene utopische Dimension bejahe. In dem "Glas voll Meer" - bzw. in der nahen Unendlichkeit, in der Künstler ihre Werke schaffen - läge die Kraft, sich trotz aller Widernisse voranzubewegen. Wie es in dem Gedicht von Jorge de Lima, dem die Zeile entlehnt ist, weiter heißt, "die Macht selbst ohne Schiffe zu segeln / sogar ohne Wellen und Sand". Für Dos Anjos und Farias ist die Kunst ein Gebiet des Wissens, das uns etwas über die Welt lehren kann, was nicht auf andere Weise zu vermitteln wäre, und das damit unsere Weltsicht verändert. Sie sind sich durchaus darüber im Klaren, dass das Thema Kunst & Politik an sich nichts Neues ist, nicht einmal in Brasilien. Wie sie sagten, gehe es ihnen aber besonders darum, den Aspekt des Experimentierens als einen politischen Faktor neu zu beleben. Außer den aktivistischen, konzeptuellen Ansätzen werde es Werke mit Tangibilität, poetischer Materialität geben. Deshalb seien sie immer auch an der Einbeziehung gewisser literarischer Bezüge interessiert. Das Problem sei, dass im Kunstbereich eine sehr eigene und für Außenstehende sehr hermetische Sprache entwickelt wurde und dass die Konzepte zu mechanisch eingesetzt werden. "Wir glauben deshalb, dass das poetische Wort ein wichtiger Schlüssel zu solchen Fragen ist."
Terreiros: 6 Themengruppen Die Ausstellung wird sechs Themen zu politischem Denken und Handeln durch Kunst in einzigartigen und integrierten kuratorialen Räumen ausbreiten. Jeder dieser Themenräume, zusammengestellt als konzeptionelle Gruppierung, wird auf eigene Weise künstlerisch gestaltet. Diese Projektenheiten können maximal 120 m2 groß sein und werden terreiros genannt, womit in Brasilien Plätze, Terrassen, Tempel und Höfe gemeint sind, wo die Leute tanzen, kämpfen, musizieren und spielen, weinen, reden oder die Rituale ihrer hybriden Religionen ausüben. Es sollen Plätze zum Ausruhen und für Reflexion sein, bevor man seinen Rundgang durch die Biennale fortsetzt. Darüber werden sie für vielfältige Aktivitäten genutzt, wie Vorträge, Film- und Videovorführungen, Performances und Lesungen. Die Rahmenthemen dieser terreiros sind:
- Die Haut des Unsichtbaren >> Mehr zum Konzept und den terreiros Ausweitung der Biennale Das kuratoriale Projekt beschränkt sich nicht auf die Kunstausstellung und deren zeitlichen Rahmen. Die 29. Biennale von São Paulo soll auf verschiedene Weise ausgeweitet werden, womit schon lange vorher mit dem Bildungsprogramm, diskursiven Aktivitäten, Künstleraufenthalten und der Website begonnen wird. Sie soll ein facettenreiches Projekt werden, bei dem die Kunst ein Mittel ist, die Welt auf einzigartige Weise kennenzulernen und zu verändern.
© Interview, Zusammenstellung der Informationen, Übersetzung:
>> Druckversion Veranstalter, Kontakt: Fundação Bienal de São Paulo
Parque Ibirapuera, Portão 3
Tel.: (+5511) 5576 7600
Email: bienalsp@fbsp.org.br
Pressekontakt:
A4 Comunicação
Paula Barcellos – paulabarcellos@a4com.com.br
Newsletter, Facebook:
Hinweis: Siehe auch: 30. Biennale São Paulo, 2012 Pavilhão Ciccillo Matarazzo 27. Biennale São Paulo, 2006 |
25. September - São Paulo, Brasilien
Presserundgang:
Eröffnung:
Thema:
Chefkuratoren:
Kuratoren:
Etwa 160 Teilnehmer
>> Druckversion Öffnungszeiten:
Mo - Mi, 9 - 19 Uhr Am 12. Dez. geschlossen.
© Copyright: |
kontakt | impressum | newsletter | suche |